Förderpreis - Rückblick und Reaktionen 2007

(Bild ist von Beate Dahinten)

"Zeichen setzen"

Der Hauptpreis der Aktion dieser Zeitung und des Bildungshauses „Klaus von Flüe“ unter dem Motto „Zeichen setzen“ hat bei Verantwortlichen und Mitarbeitern der „Aktion Pflegepartner“ nachhaltige Freude ausgelöst. Bei der Weihnachtsfeier war die hohe Auszeichnung das Gesprächsthema schlechthin.

Aus insgesamt 16 Initiativen bürgerschaftlichen Engagements hatte die Jury im Würzburger Mutterhaus dieser Zeitung die „Aktion Pflegepartner“ in Person von Koordinator Josef Kuhn für den Hauptpreis ausgewählt (wir berichteten ausführlich). Im Nachhinein zeigte sich Kuhn beeindruckt von der Vielfalt der Gruppen im Regierungsbezirk Unterfranken – und davon, „dass man uns am östlichsten Zipfel gefunden hat.“ Kuhn lässt keinen Zweifel daran, welche Bedeutung diese Preisverleihung für die Gruppe hat: „Wir hatten heuer das erfolgreichste Jahr seit Bestehen und das war der Höhepunkt!“

Auch nach außen hat die Auszeichnung Wirkung gezeigt. „Der Name Pflegepartner ist bekannt“, sagt Cornelia Schulze-Weidlich, die als Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes Haßberge für die Aktion verantwortlich zeichnet. Und Josef Kuhn berichtet von gehäuften Anfragen für Einsätze. Jetzt hoffen er und seine Mitstreiter, dass sich auch leichter neue Interessenten für die Mitarbeit gewinnen lassen.

Was mit dem Preisgeld geschehen soll, haben die Mitglieder der Gruppe inzwischen entschieden: Ein Teil wird für die Feier zum zehnjährigen Bestehen 2008 verwendet. Diese ist für April im Martin-Luther-Haus in Rügheim geplant, dem Gründungsort der Aktion. Zum anderen sollen Rücklagen gebildet werden. Denn auch eine solche ehrenamtliche Arbeit ist mit Ausgaben verbunden. Josef Kuhn möchte ein Polster für die Fahrtkosten der Mitarbeiter anlegen, Cornelia Schulze Weidlich spricht von Anschaffungen wie etwa einer Digitalkamera für die Öffentlichkeitsarbeit.
Und irgendwann wird sicher wieder ein Zuschuss für ein neues Telefon für Josef Kuhn fällig. Schließlich ist das für ihn, der Klienten und Mitarbeiter zusammenbringt, das wichtigste Arbeitsmittel. „Eines ist schon verschlissen“, sagt er. Beim eher scherzhaften Vorschlag aus der Runde, doch mal einen Computerkurs zu belegen und sich einen Laptop zuzulegen, winkt Kuhn ab. Block und Stift sind ihm lieber.

„Zeichen setzen“ ist eine gemeinsame Aktion der Mediengruppe Main-Post und der Erwachsenenbildungsstätte Klaus von Flüe zusammen mit der Castell-Bank. Bereits zum fünften Mal wurden in diesem Jahr Initiativen bürgerschaftlichen Engagements in einer Zeitungsserie vorgestellt und die dazugehörigen Preise verliehen.
Bei der Aktion Pflegepartner geht es darum, pflegende Angehörige stundenweise zu entlasten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter verbringen Zeit mit den Pflegebedürftigen und verrichten einfache Handreichungen, aber keine Pflegetätigkeiten.

Minister Sinner im Gespräch mit dem Träger des Hauptpreises, Josef Kuhn
Minister Sinner im Gespräch mit dem Träger des Hauptpreises, Josef Kuhn (Bild von Thomas Obermeier)

Die drei Preise wurden in diesem Jahr zum fünften Mal verliehen. Insgesamt waren heuer 16 beispielhafte Initiativen in einer Zeitungsserie vorgestellt worden.
Minister Sinner vertrat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der kurzfristig an einer Haushaltssondersitzung teilnehmen musste. Sinner zitierte den französischen Denker Jean de la Bruy?re, der geäußert hatte: „Fast niemand bemerkt von sich aus das Verdienst eines andern.“ Das sei bei ehrenamtlichem Engagement nicht anders. Es finde meist im Verborgenen statt.
Sinner dankte gerade deswegen den Initiatoren und Sponsoren der Aktion „Zeichen setzen“, besonders aber den Bürgern, die teilgenommen haben. „Sie haben mit ihren Aktivitäten dem Ehrenamt in Unterfranken eine öffentliche Stimme gegeben. Sie alle haben ein deutliches Zeichen gesetzt – für ein lebendiges und solidarisches Gemeinwesen.“
Stützpfeiler der Sozialpolitik
Für geeignete Rahmenbedingungen habe Bayern für eine Verbesserung des Steuerrechts für Vereine und Ehrenamtliche gekämpft.
Michael Reinhard, Chefredakteur der Mediengruppe Main-Post, betonte, bürgerschaftliches Engagement sei keine „Ausfallbürgschaft“ für einen sich zurückziehenden Sozialstaat. „Bürgerschaftliches Engagement ist im Gegenteil ein Stützpfeiler der Sozialpolitk.“ Der Sozialstaat moderner Prägung müsse sich zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bürgern, Organisationen, Wirtschaft und dem Staat entwickeln.
Da sich immer mehr Menschen in diesem Sinne einsetzen, erweist sich bürgerschaftliches Engagement „als Dauerbrenner mit Wachstumsraten“. Die MAIN-POST als Zeitung aus der Region für die Region sehe es als angenehme Pflicht an, dieses Engagement zu unterstützen. Zu den Kernaufgaben der Zeitung gehöre ihre soziale Funktion: „Zeitungen wie die MAIN-POST geben dem Einzelnen und der Gesellschaft auch Orientierungs- und Lebenshilfe.“ Sie sorgen auch für den notwendigen Kitt in unserer Gesellschaft.
Michael Koch, Leiter des Erwachsenenbildungshauses Klaus von Flüe und als Ideengeber der „Vater“ von „Zeichen setzen“, stellte die Mitglieder der Jury vor, darunter Regierungspräsident Paul Beinhofer. Er betonte, alle 16 vorgestellten Initiativen seien es wert, ausgezeichnet zu werden. Die Jury habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.
Klaus Vikuk, Vorstand der Fürstlich Castell'schen Bank, lobte die Aktion, die „soziale Nischenanbieter“ beleuchte. Und er lobte den Empfänger des Hauptpreises, Josef Kuhn von der Aktion Pflegepartner im Landkreis Haßberge, als „Makler und Verbindungsmann“ zwischen Menschen, die Pflege brauchen und Menschen, die die Pflege übernehmen. Er sei so etwas wie der Chef einer Bank, nur dass er nicht Kreditgeber und Kreditnehmer zusammenbringe. Es sei für diese Menschen wichtig, einen Koordinator zu haben: Und hierfür sorge die „Siegerfirma“. Der Hauptpreis beträgt 1500 Euro und wird von der Fürstlich-Castell'schen Bank gestiftet.
Der Sonderpreis von Klaus von Flüe in Höhe von 500 Euro ging an den Verein Perspektive in Würzburg. Tilo Hemmert, Vorsitzender des Bezirksjugendringes, sagte in seiner Preisrede, Integration sei nicht selbstverständlich. Umso bemerkenswerter sei das Engagement des Vereins. Es gehe von den Betroffenen selbst aus und helfe den Jugendlichen, sich hier zu Hause zu fühlen. „Damit übernimmt der Verein auf ehrenamtlicher Basis eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.“
Der ehemalige Würzburger Sozialreferent, Bezirksrat Peter Motsch, übergab den Sonderpreis der Mediengruppe Main-Post in Höhe von 500 Euro an die Lesebegleitung der Adalbert-Stifter-Schule in Würzburg. Sie sei für die Aktiven wie die Kinder sinnvoll: Denn Lesen ist notwendig und die Begleiter, zumeist Lehrer im Ruhestand, könnne ihre Fähigkeiten noch sinnvoll einsetzen. Eine politische Nebenbemerkung konnte sich Motsch nicht verkneifen: „Es ist nicht selbstverständlich, aber auch in der Schule darf es bürgerschaftliches Engagement geben.“

Josef Kuhn (Mitte) und seine Mitstreiter von der Aktion Pflegepartner im Landkreis Haßberge erhielten den Hauptpreis der Aktion Zeichen setzen
Josef Kuhn (Mitte) und seine Mitstreiter von der Aktion Pflegepartner im Landkreis Haßberge erhielten den Hauptpreis der Aktion „Zeichen setzen“ (Bild von Thomas Obermeier)

Kuhn ist Anlaufstelle für pflegende Angehörige, die stundenweise eine Vertretung suchen und er vermittelt ehrenamtliche Helfer, die die Pflege übernehmen. Den Preis überreichten Staatsminister Eberhard Sinner (links) und der Vorstand der Castell Bank, Klaus Vikuk (2. von links).

Die Aktion Pflegepartner im Landkreis Haßberge hat den diesjährigen Hauptpreis der Aktion „Zeichen setzen“ erhalten. Die Mediengruppe Main-Post und das Erwachsenenbildungshaus Klaus von Flüe (Schwarzach, Lkr. Kitzingen) vergeben diesen Preis für herausragendes bürgerschaftliches Engagement in diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Den Hauptpreis in Höhe von 1500 Euro hat auch in diesem Jahr wieder die Fürstlich Castell'sche Bank gestiftet. Die beiden Sonderpreise von je 500 Euro gingen an den Integrationsverein Perspektive und die Lesebegleitung an der Adalbert-Stifter-Schule, beide in Würzburg. Diese Preise werden vom Erwachsenenbildungshaus Klaus von Flüe und der Mediengruppe Main-Post zur Verfügung gestellt.

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