24.11.06
Mit Herzblut und Leidenschaft
Die Serie "Zeichen setzen", 2003 gemeinsam von der Mediengruppe Main-Post und der Landvolkshochschule Klaus von Flüe initiiert, stellte auch in diesem Jahr wieder ehrenamtliches Engagement von 15 Gruppen und Einzelpersonen vor.
Vier von ihnen wurden jetzt bei einem Festakt im Casino der Main-Post mit Preisen für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Bis zum Schluss blieb es spannend.
Denn die kurzweilige Vorstellung der Nominierten durch Regina Krömer und Christoph Grütz von der Main-Post zeigte, dass die Vergabe der Preise nicht leicht gewesen sein kann. "Alle Gruppen sind ausgezeichnet, denn all ihre Projekte haben viel mit Liebe und Menschlichkeit zu tun", bestätigte Michael Koch, Leiter des Erwachsenenbildungshauses Klaus von Flüe (Münsterschwarzach) und Mitglied der 15-köpfigen Jury. "Und welche ist ausgezeichneter als ausgezeichnet?"
An der Spitze dieser Kategorie stand die "Das Dorf GmbH Binsfeld" (Lkr. Main-Spessart). Sie erhielt den bereits zum dritten Mal von der Fürstlich Castell'schen Bank gestifteten ersten Preis in Höhe von 1500 Euro. Klaus Vikuk von der Castell-Bank lobte dieses "kleine rebellische Dorf, das sich gegen die allgemeine Entwicklung stemmt, Eigeninitiative entwickelt und selbst Lösungen für zentrale Probleme findet".
Die drei jeweils mit 500 Euro dotierten Sonderpreise, zur Verfügung gestellt vom Erwachsenenbildungshaus Klaus von Flüe, der Main-Post und der Firma Knauf, Iphofen, erhielten das Blindeninstitut im Würzburger Stadtteil Lengfeld, die Drogenhilfe Bad Kissingen und das Frauenhaus Schweinfurt.
Dass "Zeichen setzen" nicht nur im fränkischen Raum wahrgenommen wird, zeigte sich beim Festredner des Abends. Eberhard Sinner, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, nannte die Aktion einen Beweis für das vielfältige ehrenamtliche Engagement, für ein lebendiges Miteinander von Medien und Menschen, das Mut mache. "Bürgerschaftliches Engagement - vom netten Rentner, der den Bürgerbus fährt, bis zum Schüler, der für Senioren Einkäufe erledigt - ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft und ein Segen für unser Land." Und die Menschen, die ein deutliches Zeichen setzen für ein lebendiges und solidarisches Gemeinwesen, seien Vorbilder, die "Öffentlichkeit und unsere Wertschätzung verdienen".
3,8 Millionen Menschen in Bayern (oder 37 Prozent der Bevölkerung) investieren monatlich Millionen von Stunden in die Gesellschaft und setzen mit vielfältigen Projekten und Initiativen auch ein deutliches Zeichen für eine lebendige Demokratie. Dafür dankte Sinner persönlich und im Namen de Staatsregierung und fügte explizit hinzu: "Es sind nicht die Preise, die zählen, auch wenn sie ein schönes Symbol der Anerkennung sind. Es sind das Wirken und die Wirkung der Taten."
Für die Main-Post ging Anton Salender, Stellvertreter des Chefredakteurs, auf die Rolle die Presse bei der Berichterstattung über gesellschaftliche Entwicklungen ein. Eine Gesellschaft, die Anstalten mache, Menschen alleine zu lassen oder auszustoßen, in der das System der staatlichen Solidarität strukturell in der Krise stecke, die brauche jeden, der freiwillig etwas für das Gemeinwohl tue. "Freiwilliges bürgerschaftliches Engagement verdient unsere mediale Unterstützung, denn es wird gebraucht und das in zunehmender Form."
Zwar bewiesen die Zahlen, dass ehrenamtlicher Einsatz in Deutschland zunehme, dennoch stellte der Journalist die skeptische Frage, ob dieses Wachstum wohl hinter dem zunehmenden Bedarf zurückbleibe. "Zeichen setzen" möge vielleicht nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein sein, trotzdem bat Salender um weiteren ehrenamtlichen Einsatz: "Ja, wir wollen Zeichen setzen durch freiwilliges bürgerschaftliches Engagement." Die Reaktionen auf die Auszeichnungen und der rege Austausch zwischen den Gruppen nach der Preisverleihung lassen hoffen, dass diese Freiwilligkeit andere ansteckt. Zum Beispiel zum Spendensammeln "mit Herzblut und Leidenschaft", dazu, "nicht nur zu sprechen, sondern auch die Ärmel hochzukrempeln".
Eine der Nominierten verwies schließlich darauf, dass ein Faktum bei all dem nicht vergessen werden darf: "Ich gebe ja nicht nur, ich bekomme auch ganz viel zurück."
Quelle: Von der Mainpost-Mitarbeiterin Sabine Dähn-Siegel